Vom optimalen Abstand

Diskussion der Lektionsreihe mit obigem Namen und einschlägige Fragen

Vom optimalen Abstand

Beitragvon hwkarl » Do Sep 12, 2013 7:36 pm

In der Beratung zur Lösung eines Unternehmerproblems schälten wir ein recht interessanten Phänomen zu Tage, von dem ich meine, dass es keinesfalls einzigartig und nur auf diese eine Person zutrifft. Vielmehr scheint mir, dass es sehr weit verbreitet, aber selten in seiner Reinheit erkannt wird.

Das Problem dieses Mannes hatte eine besondere Überschrift "Bis zur Erschöpfung arbeiten und doch nirgends ankommen!"

Wir betrachteten und analysierten die Umstände von verschiedenen Seiten, doch dauerte es einige Zeit, bis wir seiner Ursache auf die Spur kamen. Der Schlüssel zur Lösung lieferte der Mann selbst mit der häufig gebrauchten Floskel "unter Druck stehen". Auf Nachfrage schilderte er sein Empfinden:

Es sei als wäre er (von den vielen Aufgaben) "wie von Bandfesseln eingeengt".

Wir untersuchten die einzelnen "Bänder", die ihn behinderten. Er erkannte diese "Bänder" In allen Aufgaben, die er zwar angehen wollte, aus "Zeitdruck" aber nie "in einem Aufwasch" erledigen konnte. Er arbeitete an einer Aufgabe, brach die Tätigkeit nach einer Stunde oder so ab, um sich der nächsten "dringenden Aufgabe" zuzuwenden ... und so fort; dies tagaus, tagein, über Wochen und Monate hinweg.

Auf diese Weise brauchte er bis zur Fertigstellung eines "Projektes", das vielleicht (in einem Zug durchgezogen) drei Stunden in Anspruch genommen hätte, oft die drei-, manchmal sogar die vierfache Zeit. Kein Wunder, dass er unter Zeitdruck geraten war!

Was aber war die Ursache für dieses Verhalten bei einem sonst durchaus vernünftigen, praktisch und ökonomisch denkenden Menschen? Es stellte sich heraus, dass es eine Frage der Distanz war, des Abstandes, den er, die Person, zu den verschiedenen Aufgaben hielt. Er holte sich jede Aufgabe "so nahe an sich heran", dass die seinen "Spielraum" völlig einnahm.

Er hat einfach "Engagement" für eine Sache im Geist gleichgesetzt mit "voll dabei sein" - also möglichst kleinen Abstand zwischen ihm und seiner Arbeit zu halten. Dass dabei, gewisser Maßen als logisches Nebenprodukt, der Abstand zwischen ihm (als Person) und seinen eigenen Bedürfnissen, Wünschen, Neigungen usw. immer größer wurde, war ihm völlig entgangen.

So war im Lauf der Zeit sein persönlicher "Spielraum" von den vielen "ihn eng umgebenden" Aufgaben fast auf Null reduziert worden, während seine persönlichen Bedürfnisse, Neigungen, Wünsche - ja sogar seine Angehörigen - in fast unerreichbarer Ferne ihm außer Sicht geraten waren.

Wir können das leicht in einem Bild nachvollziehen: Man stelle sich vor, man versuche einen Nagel in die Wand zu schlagen, solange der Hammer nur 1 cm weit ausgeholt werden kann: Der viel zu kleine Abstand kann dem Hammer keine Schlagkraft verleihen. Hätte man hingegen einen halben Meter Platz zum ausholen, dann wäre der Nagel mit einem Schlag versenkt.

Umgekehrt, wenn der Hammer sich so weit vom Nagel entfernt befindet, dass man ihn nicht mehr erfassen kann, nützt auch der beste Hammer der Welt nichts ... der Hammer wird nie den Nagel treffen, weil er als Werkzeug gar nicht eingesetzt werden kann ... er ist viel zu weit weg. Der zu große Abstand verhindert den wirksamen Schlag.

Was ist die Lehre daraus? Ich nenne sie der "optimale Abstand in allen Belangen". Und damit meine ich:

(a) Halte den Abstand zwischen dir (das heißt, deiner Aufmerksamkeit) und deinem "Werkstück" immer so groß wie möglich und so eng wie erforderlich, und
(b) halte den Abstand zwischen dir (das heißt hier, deiner Erholung) und deinen "Bedürfnissen, Interessen und Neigungen" immer so eng wie möglich und so groß wie erforderlich.

Um diesen Rat wieder in ein Bild zu bringen, das ihn anschaulich und verständlich macht, stelle ich mir einen Waagebalken vor, der auf einer Seite mit Aufgaben, auf der anderen Seite mit Bedürfnissen, Neigungen und Interessen "beladen" ist. Ich habe dieses Bild als Skizze Optimaler Abstand für Sie angefertigt: http://www.lernkultur.com/images/Erfolgskunde/OptimalerAbstand.png

  • Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Balken immer im Gleichgewicht zu halten. (1. im Bild)
  • Drückt nun das Gewicht einer Aufgabe den Balken auf ihrer Seite nach unten (2. im Bild), dann soll das Gleichgewicht wieder hergestellt werden, indem der "Lastarm" verkürzt wird (3. im Bild). Damit wird der Abstand zwischen Aufgabe und Drehpunkt (welcher die betroffene Person darstellt), verkleinert. Das darf aber nur so weit gehen, dass das Gleichgewicht wieder hergestellt ist.
  • Das Streben nach "Ausgleich" (nach Gleichgewicht) bedingt nun, dass dieser Abstand sofort wieder vergrößert wird, sobald die Last der Aufgabe entfällt, weil sie erledigt wurde (4. im Bild).

An dieser Stelle lag der erste Fehler des Mannes, von dem hier die Rede ist. Er versäumte, den Abstand zu den Aufgaben wieder zu vergrößern und gewöhnte sich daran. Das führte dazu, dass seine Bedürfnisse und Neigungen "außer Sicht gerieten" und er sich immer mehr mit Aufgaben eindeckte.

Gerne diskutiere ich nun mit Ihnen, wie dieser Mann nun sein altes Problem beseitigt hat und künftig vermeidet.

In der "Akademie virtueller Gutsbesitzer und -verwalter" (http://www.im-web-verdienen.de/) wird dieses "Gleichnis" zwar nicht benutzt, doch ist der optimalen Arbeitsweise eine ganze Klasse mit ihren Lektionen gewidmet. Wer diese aufmerksam durcharbeitet und seinen Tagesablauf danach gestaltet, als die Lehren daraus beachtet und anwendet, ist vor Überlastungen solcher Art für immer geschützt!
hwkarl
 
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